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Als anspruchsvolles und vor allem auch politisch aufmüpfiges
Magazin stand die Zeitschrift von Anfang an auf wackeligen finanziellen
Beinen, öffentliche Förderungen waren nicht in Sicht,
der Verlag mußte auf ein finanziell sichereres Fundament
gestellt werden. Die größere Kapitalbasis war auch
deswegen nötig geworden, da seit 1989 in der edition
lichtung auch Bücher verlegt wurden. Herbert Pöhnls
Fotokatalog Grenzlandschaften und Hubert Ettls Biografie
des Fassbinder-Schauspielers Kurt Raab, die ersten beiden
Bücher der edition lichtung, noch vom Verein Bayerwaldforum
veröffentlicht, waren zunächst Nebenprodukte der Arbeit
für das Magazin.
Mit der Möglichkeit, Sigi Zimmerschieds "Ausschwitz'n"
zu verlegen, stand der Verein vor der Entscheidung, ob man auch
einen Buchverlag aufbauen sollte; dazu war mehr Kapital nötig,
als es der Verein zur Verfügung hatte. So verkaufte das
Bayerwaldforum die Verlagsgeschäfte im Januar 1990 an die
neu gegründete lichtung verlag GmbH, deren Gesellschafter
der Verein und die Redakteure wurden.
Das ostbayerische magazin lichtung, das ab 1996 vierteljährlich
erscheint, ist zwar ein in seiner Auflage kleines Magazin
geblieben, hat sich aber als "ambitioniertes Kulturmagazin"
(BR, Kultur aktuell) mit "Mut und Biß"
(Mittelbayerische Zeitung) einen guten Namen gemacht.
Trotz anhaltender finanzieller Probleme hat die lichtung bis
heute überlebt und ist wichtiges Diskussions- und Kulturforum
für ganz Ostbayern.
Ohne das Engagement der Redakteure und vieler Mitarbeiter in
der Region wäre dies nicht möglich gewesen. Die Geschichte
des lichtung verlags ist seit seinen Anfängen auch
eine Geschichte von Engagement und Idealismus der Gesellschafter,
Redakteure und Mitarbeiter.
Den Kern der lichtung-Mannschaft bilden seit der Gründung:
Hubert Ettl, der Initiator, Hauptgesellschafter und Geschäftsführer
des Verlags, Eva Bauernfeind, freiberufliche Lektorin
und Übersetzerin, seit Sommer 2004 verantwortliche Redakteurin
des Magazins, Herbert Pöhnl, im Brotberuf Betriebswirt,
daneben Fotograf und Autor, Ines Kohl, freiberuflich als
Kunstkritikerin und Kuratorin tätig, Joachim Linke,
Deutschlehrer, Autor und passionierter Trekking-Radler, der Musiker
und Musiklehrer Harald Dobler, sowie der Architekt Hans
Haslsteiner. Seit 2004 verstärkt die Journalistin Doris
Zitzelsberger unsere Redaktion.
Buchprogramm
Nach Sigi Zimmerschieds Ausschwitz'n,erschienen im Mai
1990, und Schwer ist leicht was von Ottfried Fischer folgten
Gedichtbände ostbayerischer Autoren, Kunstbücher und
-mappen und die Reihe der Reise-Lesebücher. Unter dem Eindruck
der Öffnung zum Ostblock startete diese Reihe 1991 mit Böhmen.
Blick über die Grenze. Als erstes gemeinsames Projekt
von tschechischen Autoren, die im Land geblieben waren, von Exilautoren,
sudetendeutschen und bayerischen Autoren und Fotografen ("eine
Pioniertat", so das Basler Magazin) ist das Buch
selbst zum Dokument jener ersten Phase nach dem Fall des Eisernen
Vorhangs geworden. Auf Böhmen folgten die Reise-Lesebücher
Bayerischer Wald, Oberpfalz, Niederbayern,
München und Böhmerwald. Mit diesen Lesebüchern
wurde eine vielgelobte eigene Mischung aus Reiselektüre
und literarischer Anthologie sowie anspruchsvoller Schwarzweißfotografie
geschaffen. Texte und Fotos haben dabei ihr eigenständiges
Gewicht und sind nicht stiefmütterliches Anhängsel
des jeweils anderen. Als "eine neue literarische Vermessung
nicht nur unseres Landes, sondern auch der Nachbarregionen",
charakterisierte Gerd Holzheimer in der Bayerischen Staatszeitung
die Reihe.
Neben diesem "Herzstück" des Verlags, wird ein
umfangreiches Lyrik-Programm in oberpfälzisch, niederbayerisch,
fränkisch, bairisch und nicht zuletzt schriftdeutsch gepflegt:
Gedichtebände anerkannter bayerischer Lyriker (Harald
Grill, Margret Hölle) stehen neben Neuentdeckungen
wie Armin Kratzert, Margarete Heiß und Károly
Koller. Theaterstücke z.B. von Bernhard Setzwein,
Kabarett und Satire (S. Zimmerschied, O.Fischer,
H.R.Sattler, Manfred Kempinger und Django Asül,
der im magazin lichtung 1995 seine ersten Satiren und
Glossen veröffentlichte) sowie Kunst, vor allem die Schwarzweißfotografie,
sind weitere Schwerpunkte. Hier setzen die beiden Fotobände
HinterBayern von Herbert Pöhnl und Waldland
von Bruno Mooser Zeichen: Sie zeigen den Bayerischen Wald jenseits
von folkloristischen Klischees, fangen Tradition und Veränderung
ein. Der Blick zurück, die zeitgeschichtliche Spurensuche,
gilt vor allem dem schlimmsten Kapitel deutscher Geschichte,
der Zeit des Nationalsozialismus. Die Überlebenden des Holocaust
zu Wort kommen zu lassen, bildet hier den Schwerpunkt: Nach Mark
Sterns Bericht Rückkehr nach Flossenbürg erschienen
1998 Otto Schwerdts Lebenserinnerungen Als Gott und die Welt
schliefen, die inzwischen zum Bestseller des Verlags geworden
sind. In unzähligen Lesungen, vor allem an Schulen, leistet
Otto Schwerdt, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde
Regensburg, Aufklärungsarbeit, bei der sich das angebliche
Bedürfnis nach einem Schlußstrichziehen, gerade bei
der Jugend, überhaupt nicht bestätigt.
Trotz all der Konzentration und Schnellebigkeit,
trotz Buchschwemme und Bestsellerwahn in der Branche hat die
edition lichtung, das Buchprogramm des lichtung verlags,
in einer Nische eine kleine Erfolgsgeschichte geschrieben: Mit
dem Programm einer anspruchsvollen, nichttümelnden regionalen
und bayerischen Literatur - "in der altbayerischen Tradition
der Widerborstigkeit", wie Hermann Unterstöger
in der Süddeutschen Zeitung schrieb - konnte der
lichtung verlag einen Platz besetzen und zu einem "der
anspruchsvollsten Kleinverlage Süddeutschlands"
werden, so der Literaturkritiker Dr. Michael Bauer in einem Beitrag
des Bayerischen Fernsehens zum 10-Jährigen der edition
lichtung. Dabei steht im Zentrum des Verlagsprofils das Selbstverständnis
als bayerischer Provinzverlag, verpflichtet dem Aufhellen dessen,
was dumpf und hinterwäldlerisch sich gibt oder gnadenlos
modern agiert und nur hinter folkloristischen Tarndecken sich
versteckt, verpflichtet aber auch den kantigen, querschädeligen
Eigenheiten, die so nötig sind angesichts der Globalisierungswalze
in einem Europa der Regionen.
Im Dezember 2001 wurde Verlagsleiter und Publizist Hubert
Ettl im Literaturhaus München von Hans Krieger, dem Präsidenten
der Stiftung zur Förderung des Schrifttums e.V., mit dem
"Silbergriffel" ausgezeichnet, im Oktober 2005 mit dem Kulturpreis Bayern der EON AG. |