Verlagsportrait

Hubert Ettl, verantwortlicher Redakteur des Magazins bis 2004, Geschäftsführer des Verlags

Auf Initiative von Hubert Ettl trafen sich 1987 in Viechtach Autoren, Künstler, Musiker, Kulturinteressierte sowie politisch engagierte Mitglieder von Bürgerinitiativen, um die Chancen einer "kritischen Kulturzeitschrift für den Bayerischen Wald" zu diskutieren. Der Kulturverein Bayerwaldforum wurde gegründet, der u.a. die Herausgabe der neuen regionalen Zeitschrift ermöglichen sollte. Kurz vor Jahresende 1987 erschien dann die Startnummer des Magazins lichtung. Das Magazin, das "keine brave Kulturzeitschrift auf Hochglanz sein" wollte, wie es im ersten Editorial hieß, erschien zunächst im Zweimonatsrhythmus. Schon ein Jahr später stellte sich heraus, daß die Beschränkung auf den Bayerischen Wald nicht sinnvoll war. Das Einzugsgebiet wurde auf Ostbayern ausgeweitet und der Titel in ostbayerisches magazin lichtung umbenannt.

Evi Bauernfeind, verantwortliche Redakteurin ab Sommer 2004, Gesellschafterin, Lektorin, Übersetzerin
Herbert Pöhnl, Fotograf, Redakteur, Gesellschafter
Joachim Linke, Lehrer, Redakteur und Gesellschafter
Johannes Haslsteiner, Architekt, Redakteur, Gesellschafter
Harald Dobler, Musiker, Redakteur, Gesellschafter

Sigi Zimmerschied

Ottfried Fischer

Hubert Ettl, Peter Becher, Herausgeber des Böhmen-Buches, 5-Jahre lichtung - Fest im Cafe Hinkofer 1992

Die Autoren von 'HinterBayern': Bernhard Setzwein, Herbert Pöhnl, Karl Krieg

Joachim Linke, Django Asül, Barbara Dorsch, Manfred Kempinger, Karl Krieg, Hubert Ettl bei der Niederbayern-Buchvorstellung im Passauer Scharfrichterhaus 1997

Die Autoren Bernhard Setzwein und Friedrich Brandl, 10-Jahre lichtung - Fest in der Kronberghütte

Lichtungsautor Florian Sendtner, Hubert Ettl, 10-Jahre lichtung - Fest in der Kronberghütte

Autor Mark Stern und Eva Bauernfeind, Redakteurin, Lektorin, Gesellschafterin
Otto Schwerdt
Margret Hölle
Harald Grill
Petra Bauernfeind, Aboverwaltung und Buchhaltung
Hans Krieger, Präsident der Stiftung zur Förderung des Schrifttums e.V., und Hubert Ettl.
 
 

Als anspruchsvolles und vor allem auch politisch aufmüpfiges Magazin stand die Zeitschrift von Anfang an auf wackeligen finanziellen Beinen, öffentliche Förderungen waren nicht in Sicht, der Verlag mußte auf ein finanziell sichereres Fundament gestellt werden. Die größere Kapitalbasis war auch deswegen nötig geworden, da seit 1989 in der edition lichtung auch Bücher verlegt wurden. Herbert Pöhnls Fotokatalog Grenzlandschaften und Hubert Ettls Biografie des Fassbinder-Schauspielers Kurt Raab, die ersten beiden Bücher der edition lichtung, noch vom Verein Bayerwaldforum veröffentlicht, waren zunächst Nebenprodukte der Arbeit für das Magazin.
Mit der Möglichkeit, Sigi Zimmerschieds "Ausschwitz'n" zu verlegen, stand der Verein vor der Entscheidung, ob man auch einen Buchverlag aufbauen sollte; dazu war mehr Kapital nötig, als es der Verein zur Verfügung hatte. So verkaufte das Bayerwaldforum die Verlagsgeschäfte im Januar 1990 an die neu gegründete lichtung verlag GmbH, deren Gesellschafter der Verein und die Redakteure wurden.
Das ostbayerische magazin lichtung, das ab 1996 vierteljährlich erscheint, ist zwar ein in seiner Auflage kleines Magazin geblieben, hat sich aber als "ambitioniertes Kulturmagazin" (BR, Kultur aktuell) mit "Mut und Biß" (Mittelbayerische Zeitung) einen guten Namen gemacht. Trotz anhaltender finanzieller Probleme hat die lichtung bis heute überlebt und ist wichtiges Diskussions- und Kulturforum für ganz Ostbayern.
Ohne das Engagement der Redakteure und vieler Mitarbeiter in der Region wäre dies nicht möglich gewesen. Die Geschichte des lichtung verlags ist seit seinen Anfängen auch eine Geschichte von Engagement und Idealismus der Gesellschafter, Redakteure und Mitarbeiter.
Den Kern der lichtung-Mannschaft bilden seit der Gründung: Hubert Ettl, der Initiator, Hauptgesellschafter und Geschäftsführer des Verlags, Eva Bauernfeind, freiberufliche Lektorin und Übersetzerin, seit Sommer 2004 verantwortliche Redakteurin des Magazins, Herbert Pöhnl, im Brotberuf Betriebswirt, daneben Fotograf und Autor, Ines Kohl, freiberuflich als Kunstkritikerin und Kuratorin tätig, Joachim Linke, Deutschlehrer, Autor und passionierter Trekking-Radler, der Musiker und Musiklehrer Harald Dobler, sowie der Architekt Hans Haslsteiner. Seit 2004 verstärkt die Journalistin Doris Zitzelsberger unsere Redaktion.


Buchprogramm


Nach Sigi Zimmerschieds Ausschwitz'n,erschienen im Mai 1990, und Schwer ist leicht was von Ottfried Fischer folgten Gedichtbände ostbayerischer Autoren, Kunstbücher und -mappen und die Reihe der Reise-Lesebücher. Unter dem Eindruck der Öffnung zum Ostblock startete diese Reihe 1991 mit Böhmen. Blick über die Grenze. Als erstes gemeinsames Projekt von tschechischen Autoren, die im Land geblieben waren, von Exilautoren, sudetendeutschen und bayerischen Autoren und Fotografen ("eine Pioniertat", so das Basler Magazin) ist das Buch selbst zum Dokument jener ersten Phase nach dem Fall des Eisernen Vorhangs geworden. Auf Böhmen folgten die Reise-Lesebücher Bayerischer Wald, Oberpfalz, Niederbayern, München und Böhmerwald. Mit diesen Lesebüchern wurde eine vielgelobte eigene Mischung aus Reiselektüre und literarischer Anthologie sowie anspruchsvoller Schwarzweißfotografie geschaffen. Texte und Fotos haben dabei ihr eigenständiges Gewicht und sind nicht stiefmütterliches Anhängsel des jeweils anderen. Als "eine neue literarische Vermessung nicht nur unseres Landes, sondern auch der Nachbarregionen", charakterisierte Gerd Holzheimer in der Bayerischen Staatszeitung die Reihe.
Neben diesem "Herzstück" des Verlags, wird ein umfangreiches Lyrik-Programm in oberpfälzisch, niederbayerisch, fränkisch, bairisch und nicht zuletzt schriftdeutsch gepflegt: Gedichtebände anerkannter bayerischer Lyriker (Harald Grill, Margret Hölle) stehen neben Neuentdeckungen wie Armin Kratzert, Margarete Heiß und Károly Koller. Theaterstücke z.B. von Bernhard Setzwein, Kabarett und Satire (S. Zimmerschied, O.Fischer, H.R.Sattler, Manfred Kempinger und Django Asül, der im magazin lichtung 1995 seine ersten Satiren und Glossen veröffentlichte) sowie Kunst, vor allem die Schwarzweißfotografie, sind weitere Schwerpunkte. Hier setzen die beiden Fotobände HinterBayern von Herbert Pöhnl und Waldland von Bruno Mooser Zeichen: Sie zeigen den Bayerischen Wald jenseits von folkloristischen Klischees, fangen Tradition und Veränderung ein. Der Blick zurück, die zeitgeschichtliche Spurensuche, gilt vor allem dem schlimmsten Kapitel deutscher Geschichte, der Zeit des Nationalsozialismus. Die Überlebenden des Holocaust zu Wort kommen zu lassen, bildet hier den Schwerpunkt: Nach Mark Sterns Bericht Rückkehr nach Flossenbürg erschienen 1998 Otto Schwerdts Lebenserinnerungen Als Gott und die Welt schliefen, die inzwischen zum Bestseller des Verlags geworden sind. In unzähligen Lesungen, vor allem an Schulen, leistet Otto Schwerdt, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde Regensburg, Aufklärungsarbeit, bei der sich das angebliche Bedürfnis nach einem Schlußstrichziehen, gerade bei der Jugend, überhaupt nicht bestätigt.

Trotz all der Konzentration und Schnellebigkeit, trotz Buchschwemme und Bestsellerwahn in der Branche hat die edition lichtung, das Buchprogramm des lichtung verlags, in einer Nische eine kleine Erfolgsgeschichte geschrieben: Mit dem Programm einer anspruchsvollen, nichttümelnden regionalen und bayerischen Literatur - "in der altbayerischen Tradition der Widerborstigkeit", wie Hermann Unterstöger in der Süddeutschen Zeitung schrieb - konnte der lichtung verlag einen Platz besetzen und zu einem "der anspruchsvollsten Kleinverlage Süddeutschlands" werden, so der Literaturkritiker Dr. Michael Bauer in einem Beitrag des Bayerischen Fernsehens zum 10-Jährigen der edition lichtung. Dabei steht im Zentrum des Verlagsprofils das Selbstverständnis als bayerischer Provinzverlag, verpflichtet dem Aufhellen dessen, was dumpf und hinterwäldlerisch sich gibt oder gnadenlos modern agiert und nur hinter folkloristischen Tarndecken sich versteckt, verpflichtet aber auch den kantigen, querschädeligen Eigenheiten, die so nötig sind angesichts der Globalisierungswalze in einem Europa der Regionen.






Im Dezember 2001 wurde Verlagsleiter und Publizist Hubert Ettl im Literaturhaus München von Hans Krieger, dem Präsidenten der Stiftung zur Förderung des Schrifttums e.V., mit dem "Silbergriffel" ausgezeichnet, im Oktober 2005 mit dem Kulturpreis Bayern der EON AG.