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Benno Hurt,
Poggibonsi auf Kodachrome.

Gedichte, Broschur, 64 S., 9,10 Euro
ISBN 3-929517-31-0
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Die in diesem kleinen Gedichtband zusammengefaßten Gedichte sind über einen langen Zeitraum entstanden: Gedichte aus den 60er Jahren, die damals z.T. in der Zeitschrift "Akzente" oder in Anthologien erschienen waren ("Die Zeit der Monatsbeichten", "Sommersemester", "Klassenlos"), bis zu in den 90er Jahren entstandenen Gedichten. Die Gedichte aus den letzten vier Jahrzehnten lassen sich auch als komprimierte, subjektive Geschichte der BRD lesen.
Benno Hurt, der in den 60er Jahren als Lyriker und Erzähler bekannt geworden war, veröffentlichte in den letzten Jahren in erster Linie Prosa. Der Übergang von der Lyrik zur Prosa ist für den Autor ein fließender: Sätze in seinen Romanen haben lyrische Qualität, in den Gedichten werden die Bilder weiter verdichtet; das erzählerische Moment bleibt deutlich.

INHALTSVERZEICHNIS
 
Eigenmächtiges Sich-Entfernen
So ist das Bruder
Soiree 1957
Wirtschaftswunder
Die Zeit der Monatsbeichten
Die deutsche Antwort
James Dean: ,,Der Tod auf der Piste ist der glorreichste, den es gibt."
Sommersemester
Klassenlos
Das Ende der Stille
Berlin 65
Briefe an meinen Freund oder Was ist aus Chartres geworden?
Der Sommer 72
Freies Geleit
Noch heute
Poggibonsi 1974 auf Kodachrome 64
Ein neuer Tag
Sitzungstag
Recht und billig
Du bist nicht allein
Zu Gast bei jungen Ehen
Ein Gedicht von der Liebe
Kim
Riesling
Tiefer Horizont
Der Protagonist
Heiße Sommer
Wie es immer sein wird
Ein schwacher Wind
 
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Hurt Benno, 1941 in Regensburg geboren, Richter, lebt in der Nähe von Regensburg. Kulturpreis der Stadt Regensburg (1999). Veröffentlichungen: Zahlreiche Erzählungen und Gedichte in verschiedenen Zeitschriften, Anthologien und im Rundfunk. Roman-Trilogie ,,Eine Deutsche Meisterschaft" (1991), ,,Der Wald der Deutschen" (1993), ,,Ein deutscher Mittelläufer" (1996), Prosaband ,,Jahreszeiten" (1998). Theaterstücke: ,,Freies Geleit" (UA 1987), ,,Weinzwang" (UA 1990), ,,Wer möchte nicht den Wald der Deutschen lieben!" (UA 1991). Veröffentlichte Fotos in vielen Fotozeitschriften und Kulturmagazinen, seit 1979 Fotoausstellungen im In- und Ausland.

 

 

 


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So ist das Bruder
 
Dir fehlen die namenlosen
Spuren seiner
Nachlässigkeit
Kreuze
Zeichen verbotener
Stunden
dir fehlt der süßliche
Duft ungerauchten
Tabaks
die Unwiderruflichkeit seiner
Geste
die Wortlosigkeit gemeinsam
durchwachter Nächte
dein Leben lang
willst du nicht mehr
vergessen
wie dein Kopf in der warmen
Beuge des Arms
geruht
und seine rauhe
Stimme zitiert aus einem
Roman
im Sommerabendzwielicht eures
Zimmers wo sein
finstres Gesicht
helle Seiten
beschattet
du weißt nicht
um deinen
Weg


 
James Dean: ,,Der Tod auf der Piste
ist der glorreichste, den es gibt."

 
Stell es dir nicht so einfach vor
daß du nur weiterrast und
bloß keine Straße mehr
siehst der Tod ist
ein zuverlässiger Schlachter
er packt zu
zerrt dich heraus
und es geht weiter
auf einem Weg ohne
Straßen
 
Uns interessiert nicht
was aus unübersichtlichen Kurven
aufgleißt
unsere Füße vergönnen uns
keinen Baum
wenn's drauf ankommt
funktionieren die Bremsen und
wir bleiben voreinander
stehn
 
Bruder
uns kann man nicht
töten
wir überholen
alles
 
 
 
Freies Geleit
 
Bleib in Bewegung um nicht anzukommen
in Deutschland
fahr nicht ein in die Städte
Stuttgart ein toter Trakt
Frankfurt ein toter GI
Hauptbahnhof
nur Karlsruhe behält auch am Sonntag recht
unter Autobahnbrücken steigen Städte
aus der Geschichte auf
überquer die Vergangenheit deiner Väter
über Zweifel baut man dir Brücken
freies Geleit für den verlorenen Sohn
vergiß die Namen von
Flüssen Burgen und Plätzen
frag nicht
wie lange noch
wie weit
wo schon wieder
Entfernungen messe in dir
nicht auszudrücken in
Kilometern
bleib in Bewegung um nicht anzukommen
fahre auf einer hohen Straße
an Deutschland vorbei
 
Er wollte das
was er
gelernt hatte
nicht anwenden für das
was sie
Gesellschaft nannten
 
 
 
Kim
 
Immer mehr Frauen
schließen sich jetzt
in Filmen zusammen
und lachen aus
vollem Hals bevor
sie ihre Männer
verlassen
die weinend in einer
Großaufnahme
zurück
bleiben
 
Jetzt sind sie wirklich
frei und
rauchen in der Boutique an
der nächsten Litfaßsäule eine Kim
Zigarette
das ist
die leichte
neue
Art
 
 
  

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"Paralell zum Prosaschaffen Hurts, zu den dramatischen Arbeiten, zu den Fotoarbeiten auch sind diese Gedichte entstanden (mit einer an sich schon reizvollen Fülle von bildhaften Querverweisen), und sie bilden, im Zusammenhang gelesen, eine Kette von Inseln, die aus dem Meer des Ungestalteten, des Formlosen herausragen wie Pfeiler einer imaginären Brücke. Über sie kann der Leser gehen, der sich aus der Vergangenheit Hinweise auf Gegenwart und Zukunft verspricht, aber auch der, der ein lyrisches Kunstwerk sui generis erwartet. Bei aller inhaltlichen Zeitbedingtheit, bei allem Nachvollzug dessen, aus welcher Epoche deutscher Nachkriegsgeschichte auch die Bilder stammen - die Gedichte haben nichts mit Nostalgie zu tun. Dagegen spricht schon das selbstquälerische ästhetische Gewissen des Autors, dagegen spricht vor allem aber die formale Schlüssig
keit der Gedichte." (Kurt Hofner in: MITTELBAYERISCHE ZEITUNG, 9./10. 10. 1999)
 
"Wir kennen Benno Hurt als Romanautor, der weit über die regionalen Grenzen hinaus Beachtung und Anerkennung gefunden hat. Wie schön, daß nun die edition lichtung auch den Lyriker Hurt vorstellt. Als Lyriker hat Hurt in den 60er-Jahren auch seine Schriftstellerei begonnen. ... Wir finden einen behutsam und genau formulierenden, einen beredten Dichter." (Stefan Rammer in: PASSAUER NEUE PRESSE, 5.4.2000)