Wolf Peter Schnetz, Die Früchte des Regenbogensbaums Wolf Peter Schnetz,
Die Früchte des Regenbogensbaums
oder die Entdeckung des Schweigens.

Neue Gedichte, lichtung verlag Viechtach 2004,
152 S., 11,80 Euro,
ISBN 3-929517-67-1
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KURZTEXT  

Der neue Gedichtband erscheint anläßlich des 65. Geburtstags des Autors Ende September 2004. Gegliedert in 8 Tage, enthält er fast ausschließlich neue, aber auch neu bearbeitete Gedichte aus vergriffenen Büchern. „Gedichte werden nie fertig. Jedes Gedicht hat eine Biografie. Im Lauf von Jahren verändert sich manches Gedicht. Alte Themen werden wieder aufgegriffen. Sie ergänzen sich mit neuen" (Wolf Peter Schnetz zum Entstehen seiner Gedichte).
 
AUTOR
 
Wolf Peter Schnetz, 1939 in Regensburg geboren, Abitur am „Alten Gymnasium" in Regensburg, Studium in Erlangen, Mainz und München (Germanistik, Anglistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft). Von 1968 bis 2000 Kulturdezernent zuerst in Regensburg, später in Erlangen. Lebt seit 2001 als freier Schriftsteller wieder in Regensburg.
Mitglied im P.E.N. und im Verband deutscher Schriftsteller.
Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. 1988 Joachim-Ringelnatz-Preis und 2000 Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Veröffentlichungen: Zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Anthologien sowie im Rundfunk, ca. 40 Buchpublikationen, zuletzt Ezzlollianlollono (lichtung verlag 1995), Jugendsünden. Erzählung (1996), Tanzstunde (1999), Täglich ein Wunder. Gedichte aus vierzig Jahren (1999), Im Jahr der Sphinx. Rückkehr in die Stadt am Strom. Eine Erzählung aus der Erinnerung (2003).
 
LESEPROBE 
 
DER ERSTE TAG
 
Mein Atem schreibt deinen Namen
 
Das Licht stürzt in den Tag, die Nacht
vom Fels herab stürzt in das Meer
mit schwarzem Flügelschlag.
Weißflammend, möwengrell:
 
Jetzt ist es hell und schön.
Die Nacht
hat mir aus Fels und Meer
den lichten Tag gemacht.
 
 
Das andere Land
 
Als ich erwachte,
fand ich das ganze Land
von Stille bedeckt.
In den Wolken lag Schnee.
Schöne Gräser wuchsen
im Licht, Gräser
aus weißem, dornigem
Eis. Eisblumen brannten
im Wind, blaue
leuchtende Feuer.
 
Ich sagte,
dass ich dich liebe.
Du konntest mich hören,
obwohl jedes Wort
auf den Lippen erfror.
Ich hatte Angst,
die Stille zu atmen.
Wir fürchten die Entdeckung
des lang verborgenen
Schweigens.
 
 
 
DER ZWEITE TAG
 
 
Ein Brief kann Berge versetzen
 
Am Ende der Welt,
wo Wasser und Himmel
sich teilen, wo der Abschied
die Erde berührt,
floss durch die Wolke
das Meer, floss durch
die Welle das Licht,
floss durch das Licht
eine leichte Berührung
von Salz.
 
Auch der Abschied ist schön.
Er schenkt uns alles zurück.
Es war Tag. Es war Nacht.
 
Der Wellenschlag
riss in den Himmel
ein Licht.
 
 
Zauberer
 
Was kann ich schon
außer:
Worte machen
und Wind
und das Gras so grün,
wie es den Worten gefällt
und die Liebe schwarz
wie Harz
sich auf Herz reimt
noch immer.
 
Die Wolken so hoch,
dass niemand sie sieht,
nur du und ich,
die sehr fernen, schwebenden
Segel, wandernd
zwischen den Sternen.
 
Manchmal
aus einem taghellen Himmel
fällt als flammendes Sternbild
die Nacht.


Der Regenbogenbaum
für Robert Ramer
 
Ein verborgenes Wort
bewacht meinen Garten
mit flammendem Siegel.
 
Die Früchte
des Regenbogenbaums
sollst du nicht essen!
 
Sie schmelzen wie Schnee
in der Hand,
wenn die Hand sie berührt.
 
Wie alles, was nah ist,
wie die Liebe
im Herzen.
 
Wie die Liebe
im Herzen,
wenn die Haut sie berührt.
 
Die Stille ist ein Spion.
Unüberhörbar
ruft uns die Stimme.
 
Der Regenbogen
verrät
mein Versteck.