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Hubert Ettl / Bernhard Setzwein (Hrsg.),
München. Reise-Lesebuch,

1999, 180 S., 92 S/W-Fotos,
Format 23 cm x 21 cm, fest gebunden, 20,40 Euro
ISBN 3-929517-28-0
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Das München-Buch enthält Text- und Bildbeiträge von: Herbert Achternbusch, Carl Amery, Peter Becher, Manfred Bieler, Maxim Biller, Volker Derlath, Wolfgang Dietrich, Rudi Dix, Ulrike Draesner, Heinz Gebhardt, Marianne Hofmann, Bruno Jonas, Renate Just, Sybille Krafft, Helmut Krausser, Hermann Lenz, Andreas Mierswa, Rainer Moritz, Albert Ostermaier, Hans Pleschinski, Gerhard Polt, Alfred Schiener, Roland Schimmelpfennig, Regina Schmeken, Zafer Senocak, Bernhard Setzwein, Wolfgang Sréter, Hermann Unterstöger, Grete Weil, Paul Wühr.

KURZTEXT
 
München war schon immer unwiderstehlich. Oder, wie Renate Just in ihrem das Buch eröffnenden Text schreibt: "Die Stadt saugt schon gehörig." Es gibt kaum eine zweite in Deutschland, in der, laut Umfragen, so viele am liebsten wohnen würden. Die unterschiedlichsten Beweggründe trieben und treiben die Leute nach München: z.B. früher die Dienstboten aus der bayerischen Provinz, das Künstlervölkchen aus ganz Deutschland, Flüchtlinge und Gastarbeiter, die hier Arbeit und eine neue Heimat suchten. Dem eher touristischen Schlachtruf "Auf nach München", der in den gängigen Bildbänden meist übergewichtig Aufmerksamkeit erfährt, sind hier andere "Zuwanderer" zur Seite gestellt, aber der Sog in die Stadien, die Etablissements und Bars, die Biergärten und Bierkeller wird natürlich nicht ausgeblendet, auch jenes alljährliche Großereignis im Herbst nicht, dem wir eine "Ozapft is!"-Fotoserie gewidmet haben, die zugleich eine kleine politische Chronik der Nachkriegszeit (und ihrer Oberbürgermeister) ist.
München zu portaitieren, heißt auch, die Stadt als Landeshauptstadt, sie als Zentrum des bayerischen "Bollwerks" trotz allen leichten Flairs nicht aus den Augen zu verlieren. Ihre Geschichte in den letzten Jahrzehnten und ihr heutiges Leben einzufangen, heißt Gegensätze zur Sprache zu bringen und ins Bild zu rücken, manchmal hilft auch nur Ironie und Augenzwinkern. Daß manch Gewohntes hier in einem etwas anderen Licht erscheint, ist Absicht und gehört zum Programm.
 
 
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INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort
Renate Just: Nach München
Gerhard Polt: Gemütlichkeit
Hermann Unterstöger: Ozapft is!
Herbert Achternbusch: Neue Freiheit. Hofbräuhaus
Paul Wühr: Auf dem Föhnkarussell. Erste und zweite Fahrt
Hermann Lenz: "Und fährt mit dir durch den Englischen Garten"
Carl Amery: Die uralten Kämpfer
Gerd Holzheimer: Dumm glaffa! Bei uns pfeift der Weltgeist aus einem andern Loch
Ulrike Draesner: not, narkose, mutation
Bernhard Setzwein: Der Geist aus den Katakomben
Grete Weil: "Ich liebte München und liebe es noch"
Marianne Hofmann: Die Bäckersfrau
Helmut Krausser: Café Luitpold
Zafer ¸Senocak: Den Direktor küßt man nicht
Wolfgang Sréter: Das Glück heißt Sreca
Peter Becher: Ein Stück Heimat in der Fremde. Leonhard Reinisch und die Exilautoren aus Osteuropa
Manfred Bieler: Am Kanal
Wolfgang Dietrich: Schlötelburgs Testament
Maxim Biller: Stadt ohne Schatten
Roland Schimmelpfennig: Absolut vor Babsis Haus
Albert Ostermaier: lost & found
Rainer Moritz: Leuchtende Löwen. Eine Fußball-Liebe
Sybille Krafft: Tingeltangel. Das Münchner Nachtleben um 1900
Hans Pleschinski: Gärtnerplatz - Männerschau
Bruno Jonas: Entschuldigung bei der Landeshauptstadt 


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VORWORT der Herausgeber Hubert Ettl und Bernhard Setzwein
 
"Auf nach München" - diesem Lockruf sind nun auch wir gefolgt, nachdem diese Lesebuch-Reihe in den vorhergehenden vier Bänden eher die bayerische Provinz in Text und Bild neu eingefangen hat. München war schon immer unwiderstehlich. Oder, wie Renate Just in ihrem das Buch eröffnenden Text schreibt: "Die Stadt saugt schon gehörig." Es gibt kaum eine zweite in Deutschland, in der, laut Umfragen, so viele am liebsten wohnen würden.
Was macht sie nur so anziehend, diese "Weltstadt mit Herz", um ein weiteres Klischee zu zitieren, das durch die Texte und Bilder dieser Anthologie, so hoffen wir, etwas korrigiert wird? Eins ist klar: Es sind und waren die unterschiedlichsten Motive, die diesen Strom der nach München Aufbrechenden angetrieben haben. Die vielen Zuzügler vom Anfang des Jahrhunderts aus dem Umland, die Dienstboten aus dem Niederbayerischen, das Künstlervölkchen aus ganz Deutschland, sie hatten sicher ganz andere Gründe als das Topmanagement heutiger Tage, das sich in der auf modernstes "Silicon valley" getrimmten Stadt gerne in sündteurer Lage niederläßt. Und was ist mit den Tausenden von Gastarbeitern, die in den sechziger und siebziger Jahren den Münchner Hauptbahnhof in ein italienisches Palaver tauchten, als sie hier mit Sonderzügen ankamen, um mitzuhelfen beim wirklich atemberaubenden Aufschwung dieser Stadt?
Dieser Wiederaufbau folgte dem völligen Desaster, das ein verkrachter Kunstmaler aus Wien und seine Paladine angerichtet hatten - auch er, Adolf Hitler, war von München unwiderstehlich angezogen. Deshalb machte er es ja auch zur Hauptstadt der Bewegung, mit all den furchtbaren, bis heute nachzuspürenden Folgen, denen sich einige Beiträge dieses Buches ebenso zu widmen haben wie den Lifestyle-Seiten des heutigen Münchens.
Was aber empfing, was erwartete sie hier, die vielen München-Ankömmlinge? Neben den Geschichten, die von den Aufbrüchen nach München berichten, gibt es in diesem Buch auch solche, die vom Leben hier erzählen. Wie es ist, wenn man hier aufwächst, beispielsweise als Jüdin in den dreißiger Jahren, oder als türkisches Kind, das kein Wort deutsch versteht und erst lernen muß, daß man in München dem Schuldirektor nicht die Hand zu küssen braucht. Und wie erging es den vielen Emigranten, den politischen Flüchtlingen, die München immer wieder aufnahm?
Selbstverständlich geht diese Anthologie auch nicht völlig kommentarlos über jene Phänomene eher touristischer Art hinweg, die nicht gerade wenige veranlassen, ihren "Auf nach München"-Schlachtruf anstimmen. Da gehören die Fußballspiele der "Sechzger" und "Bayern" genauso dazu wie jenes alljährliche Großereignis im Herbst, dem wir eine "Ozapft is!"-Fotoserie gewidmet haben, die zugleich eine kleine politische Chronik der Nachkriegszeit (und ihrer Oberbürgermeister) ist. Daß das Gewohnte hier stets in einem etwas anderen Licht erscheint, ist Absicht und gehört zum Programm. Wer allerdings glaubt, seine geliebte (Wahl-)Heimatstadt in Text und Bild gar nicht mehr wiederzuerkennen, für den steht ganz am Schluß eine "Entschuldigung bei der Landeshauptstadt"- auch die natürlich, wie könnte es anders sein, von einem Zuagroasten geschrieben, von dem Niederbayern Bruno Jonas.
 

 
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"Im Reise-Lesebuch findet man die gesamte Bandbreite dessen, was die Stadt ausmacht. Schon der Eingangsbeitrag von Renate Just, eine Annäherung an die Stadt von einer 'auf dem Land' Lebenden ist eine wundersam sperrige, unsentimentale Liebeserklärung, fast wie an einen Menschen, mit dem man schon lange zusammen lebt und dessen Macken man in- und auswendig kennt, den man aber trotzdem noch gerne hat. So ist das auch mit den anderen Beiträgen. ... Darüber hinaus ist das Reise-Lesebuch aber auch ein wunderschöner Schwarzweiß-Photoband. Volker Derlath, Regina Schmeken, Heinz Gebhardt, Alfred Schiener und einige andere haben Werke beigesteuert, die keineswegs nur zur Illustration der Texte dienen, sondern die München in ihrer ganz eigenen Sprache neu erzählen. Zusammen ergibt das eine Stadtbeschreibung, wie man sie sich besser kaum vorstellen kann." (Franz Kotteder in: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG/Münchner Kultur, 10.2.1999)
 
"Brilliante Texte, eindringliche Schwarzweiß-Fotos von München und Münchnern in allen Lebenslagen. Fotos und Texte geschickt kombiniert, so daß neue Bezüge entstehen. Alles in allem: Das 'Reise-Lesebuch München' übertrifft viele der sattsam bekannten opulenten Lobhudel-Bildbände. Gleichermaßen ein Lese- wie ein Anschaugenuß." (A. Dittlmann in: BAYERISCHER RUNDFUNK/Treffpunkt München, 11.2.1999)
 
"Natürlich kommen im Buch auch der Föhn, das Oktoberfest und die Bayern-Spiele vor, aber nicht mit den immer gleichen, abgedroschenen Formulierungen, sondern sehr persönlich erzählt - und mit einem liebenswerten Augenzwinkern." (MÜNCHNER MERKUR, 16.3.1999)
 
"Und vielleicht ist es ja auch bezeichnend, daß eine der gelungensten München-Anthologien aus der tiefsten bayerischen Provinz kommt: Erschienen ist das mit 92 Schwarzweiß-Photos reich bebilderte Buch nämlich in dem kleinen, aber renommierten Viechtacher Lichtung Verlag." (Alexander Altmann in: TZ, 16.3.1999)
 
"Liebeserklärungen, Schmähungen, Entschuldigungen - alles findet sich in den aufgerauhten Texten, die, wie unterschiedlich sie sind, stets von der Attraktivität Münchens künden. ... Weit mehr als pure Illustrationen sind die jedes Klischee meidenden Fotos. ... In der Schwemme der München-Literatur ein ungewöhnlich orgineller Band." (FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, Bücher für die Reise, 26.8.1999)