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Margret Hölle
Distelsamen.
Gedichte, 1999, Broschur, 96 S., 10,20 Euro
ISBN 3-929517-33-7 |
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KURZTEXT Die gebürtige
Oberpfälzerin, seit vielen Jahren in München lebende
Autorin ist vor allem mit ihren Mundartgedichten bekanntgeworden.
Hier legt sie ihre parallel zu den Mundartgedichten entstandenen
schriftdeutschen Gedichte vor. Ein kleiner Teil davon war schon
in dem Bändchen ,,Unterwegs" 1988 erschienen. ,,Distelsamen"
zeigt, daß Margret Hölle nicht nur eine außergewöhnliche
mundartliche Begabung hat, sondern auch in ihren schriftdeutschen
Gedichten große lyrische Kraft beweist.
Margret Hölle ist eine bayerische Dichterin,
die in ihren oberpfälzer Dialektgedichten höchste künstlerische
Maßstäbe setzt. Auch die magisch poetischen Bilder
ihrer schriftdeutschen Lyrik lassen aufhorchen, denn es gelingt
ihr immer wieder, tiefgründige Einfachheit nahe dem Volkslied
oder dem Kinderreim zu erreichen, ohne den Abgrund hinter der
Idylle zu verleugnen." (Aus der Begründung zur
Verleihung des Friedrich-Baur-Preises für Literatur)
Margret Hölle, geboren 1927 in Neumarkt/Oberpfalz.
Kaufmännische Lehre, Schauspielexamen an der Deutschen Schauspielschule
in München, Tourneetheatertätigkeit, Sprecherin beim
Bayerischen Rundfunk. Lebt in München.
1990 Kulturpreis der Stadt Neumarkt; 1996 Friedrich-Baur-Preis
für Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen
Künste; 1998 Nordgaupreis des Oberpfälzer Kulturbundes
für Dichtung.
Veröffentlichungen: ,,A weng wos is aa vüi"
(1976, vergriffen), ,,Iwa Jauha und Dooch" (1981, vergriffen),
,,Unterwegs" (1988, vergriffen), ,,Wurzelherz" (1991,
1996), ,,Blöiht a Dornbusch" (lichtung verlag 1997).
Frei in der Luft
Die feinen Wörter
die seidenen
gehen mir aus dem Weg
Die barfüßigen
aus Erdfurchen
Steinfeldern
Schlehdorn- und Ginstergebüsch
Die aus den Wurzelnestern
unterm Harzleib der Föhre
Sie ritzen mir die Haut
reiben Gewürz ins Blut
füllen Auge und Ohr
Bis der Kiesel springt
zwischen Wasser und Himmel
frei in der Luft
Unter dem Baum liegend
Früheste Kindheit
Lichttupfer huschen
schaukeln auf den Zweigen
Mücken flimmern in der harzigen Luft
Die Sonne bricht wie ein Feuerbündel
durch die Krone
jede Nadelspitze blitzt
Geblendet schließe ich die Augen
hinter den Lidern
tanzt und kreist das Licht
Durch einen schmalen Augenschlitz
blinzle ich zum Wipfel
über mir
gleißt goldentflammt der Baum
Seine Krone wiegt mein Nest
sein Wurzelherz schlägt
in allen Bäumen der Erde
Oberpfälzer Psalm
Wipfelknarrendes Wälderland
finsteres
Rauhes Hügelland buckliges
Windgefegtes Steinfeldland
Burgenland sagenwisperndes
Wacholder-Schlehen-Beerenland
distelsilbriges
Sirrend summendes
dunkeläugiges Weiherland
Schwarzflügel-schwingendes
Krähenland kreischendes
Erdäpfel-Nebelland abergläubisches
Kienspan-harziges Rauchfeuerland
Wundnarbiges Grenzland
Dienstbotenland geschundenes
Erbärmliches Hungerland
Dulderland wurzelzähes
Wallfahrendes Litaneiland bußfertiges
Tanzboden-Zwiefacher-Musikanten-
land übermütiges
Rauflustiges Wirtshausland
Erdtreues herzfunkelndes
uraltes Sprachland
oberpfälzisches
Bretagne
Setz deine Flügel
in dieses Land
hier kannst du bleiben
im Dickicht schlafen
Inseln quellgetränkt
und dunkles Grün
wächst dir die Wimpern zu
Verbleibe hier
zieh alle Boote ein
verbrenn die Ruder
schweig mit den Sternenaugen
und dem Mond
Glück ist nicht sagbar
Der Silberne Fisch
(Georg Britting zum Gedächtnis)
Unter der Steinernen Brücke
schwimmt er
der Silberne Fisch
Der ihm
den Namen gab
war ein Dichter
Wenn ein Wein-Trunkener
im Mondlicht
über die Brücke schaut
Zuckt er
einen Augenblick
geblendet zusammen
Schnaubend
teilt der Fisch die Flut
zeigt silbertriefend
des Menschen Urgesicht
Hinterglasbild aus Glonn
(Zum Andenken an Lena Christ)
Im blauen Himmel
Wolken
auf einer sitzt hellzopfig
das lachende Kind
Der Großvater
pflückt Äpfel vom Baum
blutrot
Fern
über Zwiebeltürmen
dunkelt drohend ein Aug
mondsichelscharf
Distelsamen
Sie gehen auf
mitten in der
späten Jahreszeit
Ein Leuchten
golden
ohne Dorn
- PRESSESTIMMEN
"Die 1928 in der Oberpfalz geborene, heute in München
lebende Lyrikerin fährt späte reiche Ernte ein. Ihre
Gedichte kommen ohne lautes Getöse, ohne Silbengeläut
und überflüssige Worthülsen daher. .. Ein überaus
gelungener Gedichtband." (Stefan Rammer in PASSAUER
NEUE PRESSE, 4.1.2000)
"Ganz neue Töne dagegen sind ihre Reisegedichte
aus Griechenland, Irland, der Bretagne." (Bernhard Setzwein
in UNSER BAYERN, April 2000)
"Margret Hölle schöpft ihre Bilder, die
ihr - unversehens oder mit Herzklopfen? - zu Wortbildern geraten,
aus der freien Natur, dem Garten, den Orten des Wildwuchses ...
Sie wurzelt fest in ihren Kindheitserinnerungen, die sie immer
wieder - als Dichterin - heim nach Neumarkt führen, unter
Bäumen träumen, Kindern nahe sein lassen. Wir zehren
als Leser, als Hörer, von solchen Blicken nach innen, nach
rückwärts und in die immer wieder sich erneuernden
Bäume." (Hans Gärtner in LANDSHUTER ZEITUNG,
4.12.1999)
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