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Harald Grill,
Hinüber.

Gedichte, 1996, 9 Sensenengel-Zeichnungen von MAYAN,
64 S., 9,10 Euro
ISBN 3-929517-13-2
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Die gut 30 Gedichte in bairischer Mundart umkreisen das Thema Tod und Sterben. "Hinüber" handelt vom Überschreiten dieser Lebensgrenze, von der "großen Wanderschaft" des Lebens, und ist dabei auch ein Gehen, Fahren, Wandern durch die Oberpfalz, den Bayerischen Wald und den Böhmerwald - so tragen viele der Gedichte Orts-, Fluß- und Bergnamen im Titel. "Hinüber" ist der zuletzt erschienene Mundart-Gedichtband des bayerischen Dichters. Illustriert ist der Band mit Zeichnungen von MAYAN.

INHALTSVERZEICHNIS

am höllbach
schönsee
vor dem drachenstich
totentanz
mutter mit kind
am taufstein zu chamerau
beinhaus
lamer winkel
osserblick
englmar
nebltag an da doana
der goldene steig
winterschachten
eisenstein
grosser arber
kriegerdenkmal
rachel im rauhreif
da toud is a kloana glatzerter bua
da tag schlagt o aafm weissnstoa
gfäll im winter
am pfahl
giasskanndl
klinglbeidl
an da grenz
hinüber und herüber
toudnmess in plattling
ausfahrt hengersberg
vom groussen und vom kloana toud
da mond sauft ab im regn
kreuzigung
totenschau
winterberg
i tua so wia wenn
toudmiad
bei da nacht aafm friedhof
 
 


 
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AUTOR

Harald GrillHarald Grill, geboren 1951 in Hengersberg, seit 1988 als freiberuflicher Schriftsteller in Wald/Lkrs.Cham. Mitglied des PEN-Zentrums der BRD. Kulturförderpreis der Stadt Regensburg (1983), Würzburger Literaturpreis (1988), Stipendium der Drehbuchwerkstatt/München (1990/91), Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1992).

Veröffentlichungen u.a. "wenn du fort bist, Gedichte", edition toni pongratz, Hauzenberg 1991. "Traumpaare", Wanddrehbuch mit Grafiken und 12 Sprecharien, zusammen mit Mayan, Oder 1994. "einfach leben", bairische gedichte, Regensburg 1994. "Hochzeit im Dunkeln", Erzählung, Regensburg 1995. "Heimkommen", Prosa mit cut-outs von Johanna Obermüller, Hauzenberg 1996, (Auszug aus "Hochzeit im Dunkeln").

"Hans im Glück - hin und zurück, Geschichten vom Land", Reinbek 1996. "Stilles Land an der Grenze", Fotoband über den Oberpfälzer Wald, zusammen mit G. Moser, Amberg 1996. "Vater Unser", Hörspiel. NDR/BR. 1996

 


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AM HÖLLBACH
 
s wasser vom höllbach dastickt
mit da mühl miass ma s otreibn
damit s wieder rinnt
schiabn ma und schiabn
und mahln unser lebn
allerwal feiner
und feiner
 
beim erstn huasterer staubt s
und du bist furt
 
 
SCHÖNSEE

und da nepomuk aaf da bruck
der hat vier arm
mit zwoa halt a di fest
mit zwoa stesst a di weg
und da nepomuk aaf da bruck
der hat vier haxen
der suacht furt und suacht hoam in oam
und da nepomuk aaf da bruck
der hat zwoa gsichter
mit oam schaut a nach vorn
mit dem andern zruck
und uns geht s aa net anders
mit oam gsicht
schaung ma durch d windschutzscheibn
mim andern in n rückspiagl
mia fragn nimmer wo is hint und wo is vorn
und fahratn am end in zwoa richtunga aaf oamal
drum bleib ma steh aaf da bruck
und alle hamma zwoa gsichter


 
BEINHAUS

alle boandln ausananderklaubt und aafgschlicht
so sauber wia da groussvatter
an holzstouss aafgricht hat
de ganzn boandln sauber sortiert
wia wenn s numeriert waarn
aber wer werd s wieder zammsetzn
drausst aaf da lichtung
wenn s soweit is am jüngstn tag
zähln de toudn nix
net de boandln und net de tag
grad de wo lebn
hängan se aaf ana solchern ordnung
 

DA TAG SCHLAGT O AAFM WEISSNSTOA

schau umme übers holz in d finstern
do schlagt oana liachter aus da nacht
sprengt s aussa wia d felsn ausm stoabruch
funkn schlagt a funkn und alle funkn
da reih nach aafgfaadlt a sonnastroaffa
und in da friah bleibt a helle narbn
de glangt weit hintre ins land
bis hinter de grenz wo koana mehr aafsteht
 

WINTERBERG

manchmal unterm tag kriag i s mit da angst
wenn i zum kirchturm aaffeschau
hängan de zoagln am turm
wia de arm vom ognagltn herrgott
do kriag i angst dass d uhr steh bleibt
dass d zeit nimmer vergeht
dass s hänga bleibt am balkn wia er
und dass i s obetn muass mei lebn lang
 
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"Mit knappem Hammerschlag sind scharfgezackte Wortbilder aus hartem Gestein gestanzt. Bedachtsam karg wie immer bei Grill das Sprachmaterial, neu aber ein energisch gestauter, stockend drängender Rhythmus. Dunkle Vokale herrschen vor, geben der grimmig ernüchterten Rede von letzten Dingen in der Kahlheit der Jetztzeit den verdüsterten Ton. Der Blick ist gnadenlos genau; Tröstungen sind nicht vorgesehen. Aphoristische Lakonik gebiert poetische Bilder von visionärer Wucht." (Hans Krieger in: BAYERISCHE STAATSZEITUNG, 8.11.1996)

"Nie zuvor habe ich Gedichte von Harald Grill so intensiv empfunden wie in seinem neuen Lyrik-Band ,Hinüber`. Sie stehen im Sprachraum einer unverwechselbaren ,Mund-Art` ... Dabei folgt er nicht den Festlegungen auf der Mundartkarte, sondern entwickelt seine eigenen Laut- und Klangkompositionen. Harald Grill ist ein Sprachschöpfer. ... (er) vertraut auf die Tragfähigkeit seiner wunderbar dichten Bilder und Metaphern." (Wolf Peter Schnetz in: MITTELBAYERISCHE ZEITUNG, 25.1.1997)

"... findet sich in Grills Gedichten auch eine gehörige Portion Ironie und Frechheit im Sprechen über den Tod... Die Gedichte schrecken nicht davor zurück, den Tod auch mit profanen Alltagserscheinungen gleichzusetzen." (Beate Tröger in: DER NEUE TAG, 16.8.1997)

"In einer Zeit, da die Gefahren massiv und vor Ort waren, mußten auch die Texte zupacken und auf die Straße gehen. In den letzten Jahren, da die Bedrohungen wieder weniger greifbar, wieder schleichender wurden, hat auch der Autor leisere, privatere Töne angeschlagen. So auch in seinem jüngsten, neuen Gedichtband 'Hinüber' ... Die Unruhe ist geblieben seit den WAA-geprägten Zeiten. Eine Unruhe, die produktiv ist für den Autor." (Joseph Berlinger im: BAYERISCHER RUNDFUNK / HÖRFUNK / BÜCHER AUS ... BAYERN, 14.12.1996)

"Nicht zufällig ist ein Leitmotiv dieses Bandes der Stein, der zum Sinnbild wird für die drohende Erstarrung des Lebendigen, zur Metapher für die Endstation des Lebens, den endgültigen Stillstand: den Tod. ...Die Gedichte dieses Bandes dokumentieren den Prozeß einer zunehmenden Versteinerung am Ende des 20.Jahrhunderts, jedoch ohne jede modisch gewordene apokalyptische Larmoyanz. Das"Media vita in morte sumus" eines Luther oder das"Memento mori" eines Gryphius werden von Grill auf unverwechselbare Weise in die moderne Welt der leeren Transzendenz hinübergeholt und zu originären poetischen Bildern verdichtet, die lange im Gedächtnis bleiben." (Heiner Feldkamp in: LITERATUR IN BAYERN, Juni 1997)