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edition lichtung 1996 ISBN 3-929517-14-0 mit Texten von Hans Bibelriether Ines Kohl Karl Krieg Herbert Pöhnl |
Hans Bibelriether
Waldnatur
- Forstkultur
Wald ist mehr als die Summe der
Bäume.
Naturwald ist mehr als Wirtschaftsforst.
Trotzdem: Beide, der Naturwald und der Wirtschaftsforst,
wachsen noch immer nach den Gesetzen der Natur. Mag er auf dem
Kartoffelacker und dem Genrübenfeld eine Chance haben, am
Wald scheitert der Machbarkeitswahn des Menschen.
Aber das Wissen um die Naturgebundenheit des Waldes,
seine Abhängigkeit von den Naturkräften ist verloren
gegangen. Es fehlen hierzulande Wälder, an denen sich der
Förster, und nicht nur er, das verloren gegangene Naturmaß
zurückholen kann, an denen er Bescheidenheit lernen kann,
nicht nur was die Machbarkeit angeht, sondern auch die Begrenztheit
seines Wissens. Entstehen, Wachsen, Leben und Vergehen eines Waldes
samt seiner Bäume und der Vielzahl seiner miteinander verbundenen
Lebewesen sind in seinen vielschichtigen Ursachen und Abhängigkeiten
weder vorhersehbar noch rekonstruierbar. Es entzieht sich im letzten
auch den modernsten Forschungsmethoden. Wir wissen es nicht und
werden es niemals wissen, wo oder wann im nächsten Jahr unter
welchem Baum, im Wald, vor der Haustür ein Steinpilz wächst
oder nicht. So bleibt Raum für Geheimnisse, für Phantasie,
für Visionen, für zeitlose Begegnungen mit der Natur.
Das hindert allzu viele Zeitgenossen
nicht daran, sich Baum und Wald mit rücksichtsloser Arroganz
zu nähern, sie zu behandeln wie ein wertloses Stück
Holz. In den Bildern von Erwin Eisch mit ihren manchmal schockierenden
Assoziationen wird das gebrochene Verhältnis zwischen Mensch
und Wald exemplarisch sichtbar.