Eine neue literarische und fotografische Annäherung an den Böhmerwald mit Autoren aus der Tschechischen Republik, Deutschland und Österreich. Texte von Reinhold Aumaier, Hilda Bergmann, Katharina Eisch, Ondrej Fibich, Werner Fritsch, Marianne Gradl-Grams, Harald Grill, Josef Holub, Bohumil Hrabal, Josef Hrubý, Christoph Janacs, Ingild Janda-Busl, Roman Kozák, Karl Krieg, Reiner Kunze, Václav Maidl, Anna Mitgutsch, Petr Pavlík, Milan Pokorný, Ludmila Rakusan, Bernhard Setzwein, Marie Skálová, Wolfgang Sréter, Rosa Tahedl, Rainer Teuschl, Egon Urmann, Anna Wheill Fotos u.a. von Martin Milfort, Herbert Pöhnl, Karl-Heinz Paulus, Barbara Ettl, Eva Otto-Brock, Michal íp.
Josef Hrubý: Was ich am liebsten habe
Mit diesem 6. Band in der Reihe der Reise-Lesebücher kehren wir von München, dem der letzte Band gewidmet war, ins böhmische Grenzland zurück. Begonnen wurde die Reihe 1991 mit einem neugierigen Blick über die Grenze" nach Böhmen, nachdem gerade der Eiserne Vorhang gefallen war. Als Ersatz für dieses vergriffene Böhmen-Buch skizzieren nun die Autoren und Fotografen von beiden Seiten der Grenze ein neues Portrait des Böhmerwaldes. Seit der Begriff des Silva Boemica" vor mehr als 1000 Jahren erstmals auftauchte, wurde damit ein immer wieder anders abgegrenztes Waldland bezeichnet, so daß zuweilen auch der Oberpfälzer Wald und der Èeský les bis nach Waldsassen und Eger im Norden mitgemeint war, ein andermal nur das grenzübergreifende Waldgebirge von umava und Bayerischem Wald. Der hier beschriebene Böhmerwald bleibt, dem im 20. Jahrhundert geprägten Verständnis folgend, auf das tschechische Grenzland von Taus bis Hohenfurt und Krumau mit seinen Ausläufern hinein ins oberösterreichische Mühlviertel begrenzt. Dieser Böhmerwald war fünfzig Jahre abgesperrt und an den Rand geschoben, nun erst wird dieses Randgebiet in der Mitte Europas wieder neu entdeckt. Tief drin im Böhmerwald" ist eine wunderschöne Landschaft zu erwandern: Wälder, Moore, Seen prägen die umava - ein einzigartiges Waldland auf dem grünen Dach Europas". Aber dies ist nur die eine Seite. Wunder schön und gottverlassen!" überschreibt Harald Grill seine Wandernotizen entlang des Moldautales. Dies meint nicht nur die Einsamkeit der großen Wälder, sondern auch das Ergebnis von Vertreibung, Neubesiedlung, Verbannung und Einrichtung militärischer Sperrgebiete. Dieses Wiederentdecken ist nicht nur ein Zurückkommen und Wiedererinnern von Vertriebenen und Ausgesperrten wie von Rosa Tahedl und Josef Holub, sondern auch ein Wiederaneignen der verpönten und vergessenen regionalen Geschichte und Kultur, wie es sich die tschechischen Autoren Václav Maidl, Roman Kozák, Milan Pokorný und Petr Pavlík in ihrem Beitrag oder ihren Forschungen zum Anliegen gemacht haben. Da es uns um eine literarische und fotografische Neuvermessung des Böhmerwalds aus dem Blickwinkel der Gegenwart geht, werden zwar keine Texte der großen Böhmerwalderzähler Adalbert Stifter, Karel Klostermann, Johannes Urzidil oder anderer aufgenommen, immer wieder nehmen jedoch die Autoren beim Durchwandern dieses Landstrichs Bezug auf dieses literarische Erbe. Viele Autoren entdecken diese Landschaft ganz neu für sich selbst, für andere ist es ein Zurückkommen zu ihren eigenen Wurzeln.
Katharina Eisch / Hubert Ettl |
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