Anton G. Leitner: Im Glas tickt der Sand. Anton G. Leitner:
Im Glas tickt der Sand.

Echtzeitgedichte 1980 - 2005.
Mit einem Nachwort des Autors,
192 S., 13,80 Euro, 2006.
ISBN-10 3-929517-75-2 , ISBN-13 978-3-929517-75-0
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KURZTEXT
Der vorliegende Band präsentiert den Kernbestand des
lyrischen Werkes von Anton G. Leitner aus 25 Jahren.
128 Gedichte über die Wechselfälle der Liebe, über Lust und Verlust, über Versprechen, Versprecher und Verbrechen. In Leitners Versen pfeifen deutsche Rad- und Kraftfahrer auf Schutzengel - solange, bis sie mit dem Leibhaftigen zusammenstoßen. Eine verschrobene Bedienung serviert Schaumschläger ab, das Meer türmt Wellen auf, während an Land Weltenbummler den Wortdschungel durchstreifen. Viele Texte dieser ›Best of‹-Auswahl erscheinen in überarbeiteten Neufassungen, 20 davon zum ersten Mal.

AUTOR
Anton G. Leitner wurde 1961 in München geboren. 1993 gründete er die Zeitschrift Das Gedicht, die er bis heute herausgibt. Er veröffentlichte bislang fünf Gedichtbände, zuletzt Der digitale Hai ist high (2004). Außerdem publizierte er eine Erzählung, zwei Hörbücher, Essays, Kritiken, Kurzprosa und ein Kinderbuch. Seit 1984 edierte er 22 Anthologien (insbes. für dtv/Hanser und Reclam). Er wurde u. a. mit dem V. O. Stomps-Preis der Stadt Mainz und dem Kulturpreis AusLese der Stiftung Lesen ausgezeichnet.



LESEPROBE

Spring

Für J. S.

Im Ur
Sprung
Ein Ei
Sprang.

 

Schnee, Mann

Das Erleben von heute
Ist die Erinnerung

Von morgen. Morgen
Fällt Schnee. Über

Morgen schmilzt
Er. In ihren

Armen.

 

Standbild,
verwackelt

Denk
Mal: Ich
Denke also
Bin ich zu
Schwer
Für meinen
Sockel.

 

Isarsommer

Müdigkeit
zwischen den
Beinen ist ein
Himbeereis
vom Italiener
um die Ecke.

»Ois is easy«,
steht in der
Zeitung, aber
wer weiß schon
von Sandalen,
denen der
Schweiß anhaftet
von einem noch so
schönen Fuß.

Die Sonne
bräunt den
ausgespuckten
Kaugummi
nach einem
Vollbad in Öl.

Wer will schon
schlafen um diese
Zeit, wenn es gilt,
den Körper zu
opfern am Grill
für die Blicke.

Kanarische Sicht, Weise

Für Christoph Fikenscher

Luft. Spiegelungen
Vielleicht

Bewegt der
Ozean träges

Blau in Wellen zum
Himmel oder der

Himmel abgestandenes
Blau zum

Meer? Wasser, aber
Das Wasser

Verdurstet an
Land.

PRESSESTIMMEN
„Leitner erklärt das Poem zum wahren Instrument der Kommunikation. Das gilt zumal für das erotische Gedicht, ein Genre, in dem der ›allem Weiblich-Leiblichen zugeneigte Dichter‹ (Günter Kunert) exzelliert und dem er verfallen ist.“
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, Joachim Sartorius

„In der Kunst des Enjambements erreicht Anton G. Leitner einen Gipfel, der beinahe an Scharlatanerie grenzt. Sätze voll Stille und Poesie. Sätze, die einen den Atem anhalten lassen.“
DIE ZEIT, Alexander Nitzberg