KURZTEXT Dieses Kochbuch, eine Kochgeschichtensammlung, ist gedacht für die vielen Hobbyköchinnen und -köche zuhause an den Küchenherden, „für Menschen mit einer Leidenschaft zum Kochen und Genießen, die Kochbücher als Inspiration lesen“, so Ines Kohl. Die Kunst- und Kulturjournalistin verfasst seit Jahren die meisten Beiträge unter der Rubrik „Mahlzeit“ für das magazin lichtung, gezeichnet mit PICHL STEINER. Diese „Pichls“ hat die Autorin und leidenschaftliche Köchin nun überarbeitet, ergänzt und erweitert. Manches Rezept wurde von der Begegnung der Kunstkritikerin mit Künstlern angeregt. Künstler und Autoren liefern Gastbeiträge in Wort und Bild: Gastrezepte für dieses Buch steuern u.a. bei Joseph Berlinger, Thomas Bindl, Ferdinand Dörfler, Stefan Göler, Ursula Merker, Franz Mrkvicka, Karl Schleinkofer, Bernhard Setzwein, Richard Vogl. Und serviert wird dies alles mit zahlreichen Delikatessen aus der Literatur. AUTORIN Ines Kohl, 1950 in Straubing geboren, Studium der Erziehungswissenschaften; Studium der Kunstgeschichte und klass. Archäologie; 1976 Stipendium Florenz. Lebt seit 1982 in Viechtach im Bayerischen Wald. Ab1985 Organisation und Betreuung von Ausstellungen, freie Journalistin für Kunst & Kultur. 1987 Mitbegründung des ostbayerischen magazins lichtung. Veröffentlichte zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Zeitungen, in Katalogen und Büchern. VORWORT: Kochen und Kulinarik Kochen ist in. Kochen wird Kult. Im Gegensatz zur Realität, die bescheinigt, dass der Deutsche keine Zeit zum Essen hat und sich meistens im Schnellimbiss en passant irgendwas in den Schlund steckt, wird auf allen Kanälen gekocht, was das Zeug hält. Kein Sender ohne seine KöchInnen. Ja was, schaun sich die Leute das nur an und gehn dann zum Döner um die Ecke, oder ist es doch so, dass gekocht, wird, wenn man Zeit und Muße dazu hat? Schön wärs, denn wo nicht mehr gekocht wird, geht ein Stück Kultur verloren. Auf alle Fälle tut sich in den Küchen was. Dass Kochen nicht nur ein Kultivieren von Nahrungsmitteln ist, sondern darüber hinaus auch eine Kunst, das weiß man eigentlich, es wurde aber nun durch die Einladung des spektakulären katalanischen Starkochs Ferran Adrià in den Olymp der Kunst, zur Documenta nach Kassel, endgültig bestätigt. Der allerdings sagt, er sei Koch, nicht Künstler, denn ein Maler mit Lust am Kochen könne sich ja auch nicht gleich Koch nennen. Recht hat er. So hat jeder seinen Berufsstolz. In unserer Region hat es der Knödel zu musealen Ehren gebracht, er war kürzlich der Hauptdarsteller einer Einzelausstellung im Deggendorfer Stadtmuseum und mit eigenem Katalog. Kochen und Kunst haben aber doch so manches gemeinsam. Sie haben landschaftstypische Charakteristika, sie sind Ausdruck der Gesellschaft und sie gehen mit der Zeit, entwickeln Schulen, Stile und Trends. Man denke nur an die großen Kochtrends der vergangenen Jahre. Erst war es die mediterrane Küche, dann die asiatische. Hatte es der Knoblauch gerade geschafft, salonfähig zu werden, wurde schon der Bärlauch propagiert. Ingwer und Schokolade, Pfeffer und Chili, Koriander und Vanille und sämtliche nur denkbaren exotischen Früchte und Gemüse fanden den Weg bis ins letzte Dorf. Wenn aus all dem was werden soll, dann braucht man vor allem eines, Kreativität und selbstbewussten Küchengeschmack. Damit hängt es auch zusammen, dass es so schwer fällt, Regeln und Rezepte festzuhalten, denn wenn man inspiriert kocht, dann fliegt einem diese oder jene Zutat spontan noch zu, fällt einem dieses oder jenes Gewürz noch in den Topf, das lässt sich oft schwer rekonstruieren. Köche können das, sie müssen in der Lage sein, jedes Gericht zu reproduzieren. Hobbyköche müssen das nicht können, die dürfen eine kreative Chaosküche pflegen. Für die ist diese Kochgeschichtensammlung gedacht, für Menschen mit einer Leidenschaft zum Kochen und Genießen, die Kochbücher zur Inspiration lesen und nicht als Gebrauchsanweisung, die Zutaten einfach mal austauschen, weglassen oder hinzufügen, kurz, weiterkochen. Daher auch will sich diese Sammlung von Kochgeschichten auch nicht in Konkurrenz zu den Kochbüchern von Profiköchen begeben, sie will nicht den Kochtopf neu erfinden, sondern einfach anregend sein und Lust aufs Kochen machen. Ein bisschen Inspiration in die Töpfe bringen. Und im Gegensatz zu manchen anderen Hobbies ist das eine recht dankbare Tätigkeit, deren Ergebnisse meist freudig aufgenommen werden. Sie müssen einem auch gar nicht peinlich sein, denn man kann sie ganz einfach entsorgen, indem man sie aufisst. Oder es geht einem so wie mir, dass man solange getratzt wird, doch mal ein Kochbuch zu machen, bis man es dann tut. Und ich hoffe, dass es gerade deswegen, weil es überhaupt kein normales Kochbuch geworden ist, Leser findet, die genau dafür einen Nerv haben. Warum sonst sollte man in der überschwappenden Kochwelle überhaupt ein Kochbuch machen? Zusammengetragen wurden hier einige der beliebten Kochgeschichten von Pichl Steiner im magazin lichtung, ergänzt von weiteren, auch selteneren oder vergessenen Zutaten oder Gerichten und bereichert durch die Beiträge freudig kochender Zeitgenossen, für die Kochen, Kultur und Kunst auch zu den drei lebenswichtigen großen K gehören. Zu denen bezeichnenderweise Literaten und Künstler gehören. Oder wie es der geniale Wort-Sinn-Schöpfer Arno Schmidt trefflich zusammenfasste: „Das Verläßlichste sind Naturschönheiten. Dann Bücher; dann Braten mit Sauerkraut“. In diesem Sinne: lustvolle Kochlektüre!
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