Bayerischer Wald. Ein ReiseLeseBuch, hrsg. von Hubert Ettl Harald Grill: a glaander aus luft.,
Bairische Nachdichtungen, 2011,
mit neun Grafiken von MAYAN,
Klappenbroschur, 64 S., 9,90 Euro,
ISBN 978-3-929517-93-4
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KURZTEXT


Harald Grill macht Weltliteratur zu bairischer Literatur: Mit seinen Nachdichtungen wagt er den Versuch, „mit dem Dialekt Brücken zu schlagen bis hin zur Weltliteratur“, wie er in seinem Nachwort schreibt. Vom ganzen Globus hat Harald Grill Gedichte gesammelt und sie in die bairische Sprache übertragen. „Der bairische Dialekt hat nichts Hinterwäldlerisches“, fährt er fort. „Freilich verfügen wir mit ihm über eine Sprache, die im Alltagsleben wurzelt, auf konkrete Wahrnehmungen baut und abstrakte Begriffe meidet. Wer den Dialekt beim Dichten verwendet und auf abstrakte Zusammenhänge stößt, wird in die Bilder gezwungen, in die Sprache der Poesie, die überall auf der Welt verstanden wird.“ Charles Simic, Jiří Wolker, Josef Guggenmos, Philippe Jaccottet oder Vasko Popa sind nie über die Hügel des Bayerischen Waldes gewandert, Harald Grill holt sie aber herein in seine Heimat. Mit diesem Projekt seiner Nachdichtungen aus verschiedensten Sprachen wie Finnisch, Tschechisch, Spanisch oder Deutsch ins Bairische beweist Harald Grill wieder sein großes sprachliches Können, die Weite und Nähe seiner Lyrik.

Die Gedichte werden illustriert mit Schwarz-Weiß-Grafiken des Künstlers MAYAN, der in Steinberg bei Schwandorf lebt.


INHALTSVERZEICHNIS


wer is denn scho a dichter

i bin net i

wassermelonen

orient

beim bettgeh

a kloans märchen

s leem

da specht

da briafkastn

i verzähl da wos

d nacht kummt

d schuah

hi und do schreibt ma s weibal vom kuckuck

libussa

ofanga

der scheene 27. september

oktober

maß nehma

olles is hi

d laubfrösch

landschaft in kastilien

i geh

d luitpoldbruck z passau

ausfahrt hengersberg

auferstehung von den toten

mei land

s kloane schachtal

so weit und ganz nah

in oam


Nachbemerkung

Anmerkungen zu den Dichtern



AUTOR


Harald Grill, geboren 1951 in Hengersberg, Kindheit und Schulzeit in Regensburg. Lebt in Wald/Lkrs. Cham. Seit 1988 freiberuflicher Schriftsteller, Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk. Mitglied des PEN-Zentrums der BRD. Von Juli 2000 bis August 2001 Wander-Projekt „Zweimal Heimgehen“, einmal vom Nordkap und danach von Syrakus nach Regensburg.

Auszeichnungen u.a. Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1992), Marieluise-Fleißer-Preis (2003), Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz (2006), Kulturpreis Oberpfälzer

Jura (2006).



LESEPROBE



wassermelonen

nach charles simic


de greana buddhas

am obststaandl

mia ess ma s lacha

und d zähn speibn ma aus



oktober

nach tomas tranströmer


da schlepper is roßmuckert vom rost

wos hot a denn valorn so tiaf im wold herin

a schwaare lampn is s wo ausganga is in da kältn

aber de baam ham so kracherte foarbn

san wiara liachtsignal zur andern seitn vo da doana

wia wenn wer gholt wern sollert


wia r i hoamgeh siehg i

de tintnschopfling durchs gros spitzn

fingern vo oam wo an beistand suacht

vo oam wo dauernd in se selber einegwoant hot

do drunt in da finstern

mia ghör ma da erdn



landschaft in kastilien

nach rafael alberti


drobn

da balkon aus kältn

mit am glaander aus luft

da himml und meine aung


druntn

d landkoartn

drei flusslaif und a kaputte bruck

und sonst nix und neamats net



d luitpoldbruck z passau

nach ondřej fibich


gspannt wia da buugl von am junga koda

is de bruck

einfach ummeschnelln durthi

wo de olte burg

ihrane runzeln zählt

grad a so treffan se

des junge und des olte

aber du hob koa angst net

da grund vo da doana

is doch aa bloß a erdn

in dera wern ma r amol verschwindn mitanand

und mia wern uns nimmer auslassn

mei liabste allerliabste du