Josef Hrubý: Den Kopf voll Safran. Hubert Ettl/Gerd Burger :
Regensburg
Reise-Lesebuch,
180 S., 22,90 Euro
ISBN-13: 978-3-929517-78-1
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KURZTEXT
Regensburger Autoren und Fotografen zeichnen ein neues literarisches und fotografisches Portrait der Stadt, die kürzlich als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO aufgenommen wurde. Die Geschichten, Essays und Gedichte fangen die Atmosphäre und das Lebensgefühl der Stadt ein. Sie erzählen von der Geschichte der Stadt, nicht nur der mittelalterlichen, sondern werfen auch einen Blick auf die jüngste Zeitgeschichte und die Gegenwart. Die Schwarzweißfotografien leisten einen unverzichtbaren eigenen Beitrag zu diesem neuen Regensburg-Buch - dem 7. Band in der Reihe der literarischen Reise-Lesebücher.



INHALT
Barbara Krohn: Zugereist oder: paßt scho
Georg Britting: Regensburg
Wolf Peter Schnetz: Regensburger Badeszenen.
   Eine Zeitreise
Peter Jeremy Ettl: nibelungenbrücke westwärts
Albert Mühldorfer: Donauausbau
Harald Grill: an den freien tagen Eberhard Dünninger: Der Fürst, der Clerus und das Leben.
Horst Hanske: Über den Köpfen nur der Himmel.
Gerd Burger: „In der Stadt steht Kirche gegen Kirche“
Florian Sendtner: Leiche im Keller. Der Neupfarrplatz – eine fünfhundert Jahre alte Wunde
Ludwig Bemelmans: Das Gansessen
Peter Jeremy Ettl: Regensburg IV
Thomas Muggenthaler: „Ich war ein Moorsoldat!“ Der Widerstand von Hans und Martha Weber
Harald Grill: Ich geh mit meinem Vati
Albert von Schirnding: Theaterheimat, Heimattheater
Elfi Hartenstein: Tempora mutantur ... Nachgefragt bei Fürstin Margarete von Thurn und Taxis
Gustav Obermair: Ein spätes Wunschkind. Zur Geschichte der jungen Regensburger Universität
Benno Hurt: Die Stadt in meinen Büchern
Arthur Schnabl: Paula und die Nudelsuppe. Eine Hrabal-Feier im Kneitinger
Max Wissner: Spittelbrüder
Joseph Berlinger: 14 Gründe für meinen Lokalpatriotismus
Konrad Maria Färber: Feste in Regensburg
Hans Dieter Schäfer: Regensburger Nacht
Eva Demski: Abschied von einem alten Haus
Albert Mühldorfer: mir samma aa wer

VORWORT
Regensburg, lange Jahre auf Poststempeln als „mittelalterliches Wunder Deutschlands“ angepriesen, wurde unlängst offiziell in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Von jeher verkehrsgünstig an der Donau gelegen und schon vor der Keltenzeit besiedelt, römischer Legionssitz seit 179 n. Chr., Bischofsstadt seit 739, Freie Reichsstadt seit 1245 – wer von Regensburg erzählen möchte, sollte diese Geschichte im Hinterkopf haben und zumindest in einzelnen Aspekten in und zwischen den Zeilen einbinden. Im folgenden wird die lange Tradition der vielen Kirchen und Klöster, das Nebeneinander und Gegeneinander von klerikaler Macht und Aufklärung, gestreift; von der Auslöschung des mittelalterlichen Judenghettos wird berichtet, das aristokratische Erbe exemplarisch am Beispiel der Fürstin Margarete von Thurn und Taxis thematisiert.
Die Geschichte Regensburgs ist aber beileibe nicht nur eine mittelalterliche, der Blick muß auch die jüngste Zeitgeschichte und die Gegenwart umfassen, dabei auch manche Schattenseiten ins Bild rücken lassen. Nur so entsteht ein vielfältiges, wirklichkeitsnahes Stadtbild jenseits der Prospektidylle. Die herrliche, weil im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont gebliebene, Altstadt zu bewahren und modernes, urbanes Leben in ihr zu ermöglichen, hat in den letzten Jahrzehnten der Stadt, der Wirtschaft und den Bürgern manchen, teils hitzig ausgefochtenen Konflikt beschert. Hierzu gehört nicht zuletzt die in den Augen vieler längst ungut überbordende Festkultur in der Altstadt. Ohne die Gründung der Universität, die erst vor gut vierzig Jahren mit ihren Professoren und Studenten Einzug in der Stadt hielt, wäre Regensburg sicher eine im eigenen Saft schmorende Provinzstadt geblieben.
Es ist das besondere Kennzeichen dieser Reihe aus inzwischen sieben Reise-Lesebüchern, daß es die Geschichte der darin erfaßten Landstriche und Städte vor allem auch durch literarische Texte einzufangen sucht. Auch diesmal kommen viele poetische Stimmen zu Wort. Geschichte, Stadtbild und Leben in der Stadt sind wesentlich von der breit dahinströmenden Donau geprägt. In den Erzählungen, Gedichten und Fotos dieses Bandes scheint diese Regensburger Lebensader immer wieder hervor, daher ist die Donau ganz selbstverständlich zu einem Leitfaden geworden, der durch dieses Reise-Lesebuch sich zieht.
Jede Stadt ist stets weit mehr als die Summe ihrer Bauten oder die Quintessenz ihrer Historie, umfaßt ungleich mehr als die gastronomische, ökonomische und sonstige Infrastruktur, äußert sich vor allem in einem ganz eigenen Fluidum, sprich einer bestimmten und (sofern die Stadt Charakter hat) unverwechselbar ortstypischen Atmosphäre, kurz: einem Lebensgefühl, das sich zwar nur schwer in Worte fassen läßt, aber unausweichlich im Alltag auf den Straßen und Plätzen zu spüren ist und sich dem Besucher von außerhalb kaum weniger hautnah und (über)sinnlich mitteilt wie den Bewohnern. Von diesem sehr speziellen Hauch, der in Regensburg in der Luft liegt und in den Gassen und Straßen und Lokalen der alten Stadt an der Donau (samt Naab und Regen) weht, hoffen wir auf den folgenden Seiten eine kleine Brise eingefangen zu haben. Die Fotografien aus der Hand etlicher Meister dieser Kunst aus Licht und Schatten leisten dazu einen alles andere als rein illustrierenden,
im Gegenteil gleichrangigen und unverzichtbaren Anteil. Wenn der Zusammenklang aus Wort und Bild den Leser dann zu einem kleinen Bummel durch die Stadt verleitet, desto schöner. Denn langweilig wird es keinem, der in Regensburg flanieren geht.
(Gerd Burger / Hubert Ettl)