2
0
0
4
lichtung 2004/2 ostbayerisches magazin lichtung 2004/2


INHALT

Editorial: Ende der lichtung?
Abo-Werbung
Im Wald ein Schiff aus Glas von Herbert Pöhnl
Google auf zwei Beinen: Peter Geiger über den Experten für populäre Kultur Viktor Rotthaler
Heimelig und wundersam: Klaus Hübner auf den Spuren der fast vergessenen Landshuter Poetin Berta Huber
Leicht wie ein Gedanke: Der Künstler Anton Kirchmair porträtiert von Anke Humpeneder-Graf
Neue Architektur in Ostbayern
Das „Plexiglas-Haus" in Gleißenberg vorgestellt von Hans Haslsteiner
Ausstellungen: Besprechungen, Hinweise, Übersicht
Veranstaltungen: Theater, Kabarett, Lesungen, Konzerte, Vorträge und Seminare
Literatur
Barbara Krohn:
Orte der Liebe
Werner Fritsch: Das sind die Gewitter in der Natur
Bücher, Platten
Köstliches
Das Rätsel
Titelbild: Glasarche auf dem Weg zum Lusen, Foto: Herbert Pöhnl


EDITORIAL
Liebe Leserinnen und Leser!

Diese Ausgabe der lichtung könnte die vorletzte sein. Anfang des Jahres haben Redaktion und Gesellschafterversammlung des Verlags beschlossen, die Herausgabe der lichtung mit dem Juli-Heft zu beenden, wenn sich bis dahin nicht abzeichnet, daß die lichtung ohne Defizit herausgebracht werden kann.
Wie alle Printmedien leidet die lichtung seit Jahren unter dem Rückgang von Anzeigenerlösen. Wir haben aber nicht in der Weise reagiert wie manche Tageszeitungen, daß man einfach den Lesern weniger Seiten bietet (fürs gleiche Geld), sondern haben unsere Seitenzahl immer konstant gehalten. Im Durchschnitt verursachte so jede Ausgabe der lichtung in den Jahren 2002 und 2003 ein Minus von ca. 600 Euro. Das klingt nicht dramatisch, aber so ein kleiner Verlag, der auch mit seinem Buchprogramm trotz der Erfolge der letzten 10 Jahre schauen muß, daß er über die Runden kommt, kann dieses Defizit nicht ständig ausgleichen. Neben einer Förderung des Magazins durch die Ernst-Pietsch-Stiftung mußte die Zeitschrift also immer intern gesponsert werden. Dies nimmt aber der edition lichtung Mittel weg, die man für Werbung, Messen usw. gut gebrauchen könnte.
Mit dem Januar-Heft dieses Jahres hatte sich die Situation nochmals verschärft, die Anzeigenerlöse waren so spärlich wie im Anfangsjahr 1988. Über 1000 Euro minus mit einem einzigen Heft! Jetzt mußte ich als verantwortlicher Redakteur und als Geschäftsführer die Reißleine ziehen. Mit einem „Wir müssen schauen, daß es besser wird" war da nichts mehr zu machen. Schon vor einem Jahr hatte ich nämlich an dieser Stelle auf die defizitäre Situation des Magazins hingewiesen und dargestellt, daß wir mindestens 200 neue Abonnenten bräuchten, damit die Zeitschrift selbst auf finanziell soliderer Basis stünde. Zehn neue Abonnenten waren damals geworben worden. Ich hatte den Eindruck, unsere Leser dachten weitgehend, die wursteln sich irgendwie schon durch. Harald Dobler, der die Anzeigen seit Jahren akquiriert, hat sich immer wieder abgekämpft und trotzdem nicht die nötigen Anzeigenkunden gewinnen können. Und es war auch nicht so, daß wir in den letzten Jahren nicht auch anderweitig versucht hätten, gezielt mögliche Leser anzusprechen: an ausgewählte Gymnasien der Region wurden hunderte von Probeheften verschickt, in weiteren Aktionen jeweils an Ärzte (für die Wartezimmer), an Hotels, an Architekten usw.
Obwohl ich auch an dieser Stelle in den letzten Jahren immer wieder geschrieben hatte, unter welch schwierigen finanziellen Bedingungen die lichtung herausgegeben wird und auch die Redakteure und Mitarbeiter nicht aus finanziellen Gründen für die lichtung schrieben (bei 15,- Euro Seitenhonorar!), hörten wir bei Gesprächen und in Briefen immer wieder heraus, wie die Lage von Lesern oder Veranstaltern anders eingeschätzt wird. Da wird z.B. in der Redaktion angerufen und einer der Redakteure verlangt, so als säßen hier ständig die Redakteure bei der Arbeit zusammen und wären für die Berichterstattung sofort verfügbar, obwohl die als Architekt, Musiklehrer, Betriebswirt, Lehrer und Übersetzerin usw. anderweitig ihr Einkommen verdienen müssen. Oder die Redakteure werden darauf angesprochen, sie müßten doch gut verdienen, weil sie für die lichtung schrieben. Der Trugschluß mag vielleicht auch dadurch zustande gekommen sein, weil das Buchprogramm immer wieder in den Medien präsent ist. Oder haben wir zuwenig gejammert?

Das trifft wohl auf mich selbst im besonderen zu. Nachdem ich in der Krise 1994/95 den Satz und die Gestaltung der lichtung übernommen hatte, weil wir es uns nicht mehr leisten konnten, den Satz in der Druckerei erstellen zu lassen, und nachdem auch in der Redaktion bei dem einen oder anderen sich die Interessen auf andere kulturelle Aktivitäten verlagerten, was ja bei einem nebenberuflichen Engagement innerhalb von 16 Jahren ganz selbstverständlich ist, blieb mehr und mehr an mir hängen. Auf der anderen Seite wuchs die Bedeutung der edition lichtung ständig an, so daß der Umsatz des Magazins im Vergleich zum Buchprogramm in manchen Jahren nur mehr ein Drittel oder Viertel des Gesamtumsatzes ausmachte; und natürlich auch meine Arbeit im Verlag. So machte ich es intern zur Bedingung, daß ich meine verantwortliche Rolle für das Magazin abgeben könne, sollte die lichtung ihre finanziellen Schwierigkeiten in den nächsten Monaten überwinden können und auch nach dem Juli-Heft weiter erscheinen. Eva Bauernfeind, die ja bisher schon den Veranstaltungskalender zusammengestellt und Korrektur gelesen hat, wird nun ab dem Sommer die verantwortliche Redaktion und Endredaktion übernehmen, und für den Satz konnten wir die freiberufliche Mediengestalterin Simone Stiedl gewinnen.
Aber zunächst haben wir das Schicksal vor allem in die Hände der Leser und lichtung-Interessierten gelegt. Jetzt muß sich zeigen, ob die Region dieses Magazin weiter will. Ist die ostbayerische Kulturszene interessiert und engagiert genug, um eine solche unabhängige Kulturzeitschrift zu tragen? Kurz: Gibt es genügend Leute, die für 16,- Euro im Jahr sich die lichtung leisten?
Jedenfalls war es, als Ende Januar das mögliche Ende der lichtung über die Mitarbeiter publik wurde, schon fast ein kleiner Schock: Nein, das könnt Ihr nicht machen. Und nun zeigte sich, was wir erhofft hatten, aber dessen wir uns doch nicht sicher waren: In Regensburg legten sich sofort Künstler und Autoren ins Zeug. Am 26. März findet im Kulturverein GRAZ eine Benefizveranstaltung statt, auf der viele Autoren lesen werden, und auf der viele neue Abonnenten geworben werden sollen. Ähnliches ist in Amberg von Autoren und Künstlern geplant. Auf der Buchvorstellung am 6. März in Waldmünchen kam spontan ein Zuhörer in der Pause zu mir und versprach, er wolle am heutigen Abend zehn Abonnenten werben, was ihm auch gelang.
Im Mai werden wir sehen, ob die zumindest kurzfristig nötigen 200 neuen Abonnenten erreicht sind. Wenn nicht, wird die Gesellschafterversammlung das Ende der lichtung beschließen müssen. Nun hoffen wir auf Ihr Engagement: Werben Sie Abonnenten, dann erscheint die lichtung auch weiterhin. Und allen, die dabei mithelfen, möchte ich hier schon einmal herzlich danken
Ihr Hubert Ettl