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Editorial: Ende der lichtung?
Abo-Werbung
Im Wald ein Schiff aus Glas
von Herbert Pöhnl
Google auf zwei Beinen: Peter Geiger über den Experten für populäre Kultur Viktor Rotthaler
Heimelig und wundersam: Klaus Hübner auf den Spuren der fast vergessenen Landshuter Poetin Berta Huber
Leicht wie ein Gedanke: Der Künstler Anton Kirchmair porträtiert von Anke Humpeneder-Graf
Neue Architektur in Ostbayern
Das Plexiglas-Haus" in
Gleißenberg vorgestellt von Hans Haslsteiner
Ausstellungen: Besprechungen, Hinweise, Übersicht
Veranstaltungen: Theater, Kabarett, Lesungen, Konzerte, Vorträge und Seminare
Literatur
Barbara Krohn: Orte der Liebe
Werner Fritsch: Das sind die Gewitter in der Natur
Bücher, Platten
Köstliches
Das Rätsel
Titelbild: Glasarche auf dem Weg zum Lusen, Foto: Herbert Pöhnl
EDITORIAL
Liebe Leserinnen und Leser!
Diese Ausgabe der
lichtung könnte die vorletzte sein. Anfang des Jahres haben Redaktion und Gesellschafterversammlung
des Verlags beschlossen, die Herausgabe der
lichtung mit dem Juli-Heft zu beenden, wenn sich bis dahin nicht abzeichnet, daß
die lichtung ohne Defizit herausgebracht werden kann.
Wie alle Printmedien leidet die
lichtung seit Jahren unter dem Rückgang von Anzeigenerlösen. Wir haben aber nicht in der
Weise reagiert wie manche Tageszeitungen, daß man einfach den Lesern weniger Seiten bietet (fürs gleiche Geld), sondern haben
unsere Seitenzahl immer konstant gehalten. Im Durchschnitt verursachte so jede Ausgabe der
lichtung in den Jahren 2002 und 2003 ein Minus von ca. 600 Euro. Das klingt nicht dramatisch, aber so ein kleiner Verlag, der auch mit seinem Buchprogramm trotz
der Erfolge der letzten 10 Jahre schauen muß, daß er über die Runden kommt, kann dieses Defizit nicht ständig ausgleichen.
Neben einer Förderung des Magazins durch die Ernst-Pietsch-Stiftung mußte die Zeitschrift also immer intern gesponsert werden.
Dies nimmt aber der edition lichtung Mittel weg, die man für Werbung, Messen usw. gut gebrauchen könnte.
Mit dem Januar-Heft dieses Jahres hatte sich die Situation nochmals
verschärft, die Anzeigenerlöse waren so spärlich wie
im Anfangsjahr 1988. Über 1000 Euro minus mit einem einzigen Heft! Jetzt mußte ich als verantwortlicher Redakteur und als
Geschäftsführer die Reißleine ziehen. Mit einem
Wir müssen schauen, daß es besser
wird" war da nichts mehr zu machen. Schon vor einem Jahr hatte ich nämlich an dieser Stelle auf die defizitäre Situation des Magazins hingewiesen und dargestellt, daß wir
mindestens 200 neue Abonnenten bräuchten, damit die Zeitschrift selbst auf finanziell soliderer Basis stünde. Zehn neue
Abonnenten waren damals geworben worden. Ich hatte den Eindruck, unsere Leser dachten weitgehend, die wursteln sich irgendwie
schon durch. Harald Dobler, der die Anzeigen seit Jahren
akquiriert, hat sich immer wieder abgekämpft und trotzdem nicht die
nötigen Anzeigenkunden gewinnen können. Und es war auch nicht so, daß wir in den letzten Jahren nicht auch anderweitig versucht
hätten, gezielt mögliche Leser anzusprechen: an ausgewählte Gymnasien der Region wurden hunderte von Probeheften verschickt,
in weiteren Aktionen jeweils an Ärzte (für die Wartezimmer), an Hotels, an Architekten usw.
Obwohl ich auch an dieser Stelle in den letzten Jahren immer wieder geschrieben hatte, unter welch schwierigen
finanziellen Bedingungen die lichtung herausgegeben
wird und auch die Redakteure und Mitarbeiter nicht aus finanziellen Gründen
für die lichtung schrieben (bei 15,- Euro Seitenhonorar!), hörten wir bei Gesprächen und in Briefen immer wieder heraus, wie die
Lage von Lesern oder Veranstaltern anders eingeschätzt
wird. Da wird z.B. in der Redaktion angerufen und einer der Redakteure
verlangt, so als säßen hier ständig die Redakteure bei der Arbeit
zusammen und wären für die
Berichterstattung sofort verfügbar, obwohl die als Architekt, Musiklehrer, Betriebswirt, Lehrer und Übersetzerin
usw. anderweitig ihr Einkommen verdienen
müssen. Oder die Redakteure werden darauf angesprochen, sie müßten doch gut verdienen, weil sie für die
lichtung schrieben. Der Trugschluß mag vielleicht auch dadurch zustande gekommen sein, weil das Buchprogramm immer wieder in den Medien präsent
ist. Oder haben wir zuwenig gejammert?
Das trifft wohl auf mich selbst im besonderen zu. Nachdem ich in der Krise 1994/95 den Satz und die Gestaltung der
lichtung übernommen hatte, weil wir es uns
nicht mehr leisten konnten, den Satz in der Druckerei erstellen zu lassen, und nachdem auch
in der Redaktion bei dem einen oder anderen sich die Interessen auf andere kulturelle Aktivitäten verlagerten, was ja bei
einem nebenberuflichen Engagement innerhalb von 16 Jahren ganz selbstverständlich ist, blieb mehr und mehr an mir hängen. Auf
der anderen Seite wuchs die Bedeutung der edition
lichtung ständig an, so daß der Umsatz des Magazins
im Vergleich zum Buchprogramm in manchen Jahren nur mehr ein Drittel oder Viertel des Gesamtumsatzes ausmachte; und natürlich auch meine Arbeit
im Verlag. So machte ich es intern zur Bedingung, daß ich meine verantwortliche Rolle für das Magazin abgeben könne, sollte
die lichtung ihre finanziellen Schwierigkeiten in den nächsten Monaten überwinden
können und auch nach dem Juli-Heft weiter erscheinen. Eva Bauernfeind, die ja bisher schon den Veranstaltungskalender zusammengestellt und Korrektur gelesen hat, wird
nun ab dem Sommer die verantwortliche Redaktion und Endredaktion
übernehmen, und für den Satz konnten wir die
freiberufliche Mediengestalterin Simone Stiedl gewinnen.
Aber zunächst haben wir das Schicksal vor allem in die Hände der Leser und
lichtung-Interessierten gelegt. Jetzt muß sich
zeigen, ob die Region dieses Magazin weiter will. Ist die ostbayerische Kulturszene interessiert und engagiert genug, um
eine solche unabhängige Kulturzeitschrift zu tragen? Kurz: Gibt es genügend Leute, die für 16,- Euro im Jahr sich die
lichtung leisten?
Jedenfalls war es, als Ende Januar das mögliche Ende der
lichtung über die Mitarbeiter publik wurde, schon fast ein
kleiner Schock: Nein, das könnt Ihr nicht machen. Und nun zeigte sich, was wir erhofft hatten, aber dessen wir uns doch nicht sicher
waren: In Regensburg legten sich sofort Künstler und Autoren ins
Zeug. Am 26. März findet im Kulturverein GRAZ eine
Benefizveranstaltung statt, auf der viele Autoren lesen werden, und auf der viele neue Abonnenten geworben werden sollen.
Ähnliches ist in Amberg von Autoren und Künstlern geplant.
Auf der Buchvorstellung am 6. März in Waldmünchen kam spontan ein Zuhörer
in der Pause zu mir und versprach, er wolle am heutigen Abend zehn Abonnenten werben, was ihm auch gelang.
Im Mai werden wir sehen, ob die zumindest kurzfristig nötigen 200 neuen Abonnenten erreicht sind. Wenn nicht, wird
die Gesellschafterversammlung das Ende der
lichtung beschließen müssen. Nun hoffen wir auf Ihr Engagement: Werben Sie
Abonnenten, dann erscheint die lichtung auch weiterhin. Und allen, die dabei mithelfen, möchte ich hier schon einmal herzlich
danken
Ihr Hubert Ettl
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